Sie sind jetzt am Ende des dritten Moduls angekommen und haben idealerweise eine neue berufliche Ausrichtung für sich definiert. Sie kennen Ihre eigenen Bedürfnisse und sind schon ziemlich tief in Ihre Persönlichkeit eingestiegen. Ich möchte Ihnen nun noch eine kleine Bonus-Übung anbieten, die Sie nicht zwingend brauchen für die berufliche Ausrichtung, die Ihnen aber später bei der Selbstvermarktung – und dazu kommen wir in den folgenden Modulen – sehr helfen wird. Ich möchte mit Ihnen Ihr Personal Branding erarbeiten. Was heißt das genau?
Jeder Mensch ist einzigartig. Jeder und jede einzelne von Ihnen hat ein individuelles System von Persönlichkeitseigenschaften, Charakterstärken, Skills und Werten – und wird von anderen auch so wahrgenommen. In der Selbstbild-Fremdbild-Übung haben Sie mehr darüber erfahren, wie Sie wirken und wie andere Sie sehen. Das kann Ihnen jetzt helfen bei der Erarbeitung Ihres Personal Branding.
Wenn man sich die großen Publikumsmarken anschaut, sind diese meist mit einem starken Claim verbunden, der in einem kurzen Halbsatz, manchmal nur in zwei Worten, die Kernwerte der Marke wiedergibt. Schauen Sie sich zum Beispiel die großen Automarken an. BMW: Freude am Fahren. Audi: Vorsprung durch Technik.
Nehmen wir Beispiele aus anderen Lebensbereichen:
„Quadratisch, praktisch, gut“ – na, wissen Sie es noch? Richtig: Ritter Sport.
„Wohnst du noch oder lebst du schon?“ Unverkennbar Ikea
„Come in and find out“ –das ist der Claim der Parfümeriekette Douglas
Allen Slogans ist zu eigen, dass sie in einem Satz oder in einer kurzen Kette von Begriffen eine Marke charakterisieren. Sie ahnen schon, was jetzt kommt: Ja, dieses Prinzip können Sie auch auf sich selbst übertragen. In manchem Vorstellungsgespräch werden Sie sogar dazu aufgefordert, wenn Sie zum Beispiel gebeten werden, sich mit drei Adjektiven selbst zu charakterisieren. Der Berliner Tagesspiegel hatte jahrelang den Slogan „gründlich, sachlich, kritisch“ – das passt tatsächlich auch auf manche Persönlichkeit. Ich möchte Sie jetzt nicht bitten, zu überlegen, welcher Marke Sie am ehesten entsprechen würden, um dann deren Claim zu übernehmen. Ich habe eine andere Übung für Sie. Wir werden in drei Schritten arbeiten:
Frage 1: Welches Alleinstellungsmerkmal haben Sie? Oder im Marketing-Deutsch gefragt: Was ist Ihr USP, Ihre Unique Selling Proposition? Was hebt Sie eindeutig, fühlbar und für andere Menschen erlebbar von anderen ab? Sie können sich hier gut an Ihren Stärken und Fähigkeiten aus den ersten beiden Modulen orientieren. In unserem Beispiel von vorhin wäre das zum Beispiel ganz besondere interkulturelle Kompetenz und extrem große Offenheit für Neues gewesen.
Frage 2: Was regt Menschen dazu an, sich näher für Sie zu interessieren, sich Ihren Rat einzuholen, Sie einzustellen oder zu befördern? Welchen gesellschaftlichen Beitrag leisten Sie? In unserem Beispiel war das ein beispielhafter Kampfgeist, weil dieser Mann mit erheblichen Schwierigkeiten in seinem Leben umzugehen gelernt hat und daran gewachsen ist. Dadurch ist er sehr verständnisvoll für Probleme, aber gleichzeitig auch leistungsorientiert, weil er selbst den Beweis erbracht hat, dass man mit großer Zielstrebigkeit und eisernem Willen viel erreichen kann. Als Begriffe würde man hier „zielstrebig, willensstark und leistungsbereit“ wählen.
Frage 3: Wo durchbrechen Sie die fachliche Norm? Was wird als besondere Qualität bei Ihnen wahrgenommen? Das extreme Zahlenverständnis und die Übertragung auf die Unternehmensentwicklung, das Lesen von Zahlen war in unserem Beispiel ganz klar außerhalb der Norm. Die kurze Beschreibung könnte sein: methodenkompetenter Finanzexperte.
Im nächsten Schritt der Übung geht es dann darum, diese drei Elemente zu einem einzigen Claim zusammenzubringen. Dafür habe ich Ihnen in das letzte Arbeitsblatt des dritten Moduls ein sogenanntes Marken-Ei eingebaut. Hier tragen Sie die Antworten auf die drei Fragen in die drei Außenbereiche ein, möglichst kurz und knackig, aber eben doch noch aussagekräftig genug.
Daraus entwickeln Sie dann – vielleicht auch gemeinsam mit Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin, einer Freundin oder einem Freund – einen persönlichen Claim: In unserem Beispiel könnte das zum Beispiel der „Weltoffene Finanzexperte mit Blick über den Tellerrand“ sein.
Solch eine Übung alleine für sich zu machen, ist eine echte Herausforderung. Meine Bitte ist deshalb: Schauen Sie sich noch einmal an, wie Sie in der Selbstbild-Fremdbild-Übung eingeschätzt worden sind. Und sprechen Sie vielleicht auch mit anderen darüber – ich mache diese Übung mit meinen Klientinnen und Klienten in ein, zwei Beratungssitzungen, manchmal brauchen wir auch länger dafür. Insofern ist es wirklich schwer, das im Alleingang zu tun. Lassen Sie sich nicht entmutigen, wenn Sie etwas mehr Zeit brauchen, als Sie denken. Manchmal wächst ein Personal Branding über mehrere Tage oder sogar Wochen. Das Arbeitsblatt enthält das Marken-Ei und die Leitfragen dazu, sodass Sie sich jetzt mit Ihrem Personal Branding beschäftigen können. Leiten Sie drei Kurzbeschreibungen ab und finden Sie mit etwas Fantasie und Bildsprache einen kurzen, charakterisierenden Claim für sich selbst. Dabei wünsche ich Ihnen viel Erfolg!